Ed Stuhler

Text- und Buchautor, Publizist

Der Alte Fritz

Posted by Office - 11. Februar 2017

Brief Gisela May von März 2000

Brief Gisela May von März 2000

Meine Erinnerungen an Gisela May

Deutschlandfunk, 7.7.2017, 20.10 Uhr

Über 30 Jahre habe ich als Autor mit der am 2. Dezember 2016 verstorbenen Sängerin und Schauspielerin Gisela May zusammengearbeitet. Daraus entwickelte sich eine langjährige Freundschaft. Ich lernte sie als warmherzig, offen und eher unpolitisch kennen. Ihr Bild in der Öffentlichkeit, wo sie bisweilen als unnahbar, streng, als unpersönliche politische Staatskünstlerin, als „rote Soubrette“ wahrgenommen wurde, stimmt mit meinem Erleben absolut nicht überein. Im Westen Deutschlands ist sie, wenn überhaupt, nur als die „Muddi“ aus „Adelheid und ihre Mörder“ bekannt.

1981 traf ich Gisela May zum ersten Mal; unser erstes gemeinsames Lied war „Der Alte Fritz“, ein ironischer Kommentar zur sozialistischen Auferstehung Friedrich II.

Sie lebte allein und rief oft nachts an, zum Beispiel, um mir euphorisiert zu erzählen, wie begeistert ihr Publikum auf ein Konzert reagiert hätte. Wir sprachen über privaten Sehnsüchte und Enttäuschungen, über Krankheit und Alter.

In dem Feature erzähle ich meiner Tochter Nele, Jahrgang 89, als Vertreterin einer Generation, die weder mit den Liedern noch den Rollen der Schauspielerin Gisela May aufgewachsen ist, von meinen Erinnerungen.

 

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Liedtexte

Posted by Office - 22. Oktober 2016

Der Schoß ist fruchtbar noch (2016)

Unter Verwendung einer Zeile von Bertolt Brecht aus dem Epilog des „Arturo Ui“

Es wabert dumpf im braunen Sumpf,
es schwillt das Hassgeschrei.
Der brave Bürger zündelt mit,
der Nachbar greift zum Stein.

Man schweigt und denkt, das geht vorbei
und duckt sich ins Versteck.
Man hofft, es wird so schlimm nicht sein
und kratzt den Pickel weg.

Man denkt, das kommt nicht wieder, doch
der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

Das traut sich raus, schon brennt das Haus,,
schon greift das nach den Sternen.
Das redet schon von an die Wand,
(und) vom Hängen an Laternen.

Man denkt, das kommt nicht wieder, doch
der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.


 

Kuschelwalzer (2016, aus „Josefine Dampfmaschine“)

Was für ein fröhlicher Tag war das wieder,

voll Überraschungen, Spiele und Lieder,

morgens gabs schon eine Polonaise,

mittags gabs Pizza mit Ketschup und Käse,

Kinderfasching, lustig und laut,

Tanzen und Toben und Gänsehaut.

 

Abends ist Klara so müde und still,

dass sie beim Essen schon einschlafen will,

doch Kuscheln, doch Kuscheln – Kuscheln muss noch sein,

ohne Kuscheln schläft Klara nicht ein.

 

Was für ein fröhlicher Tag war das heute,

Fasching im ganzen Kita-Gebäude.

Klara als Fee mit zwei goldenen Flügeln,

Eddie als Pferdchen mit Mähne und Zügeln,

Tino als Dino und Frida als Braut,

Tanzen und Toben und Gänsehaut.

 

Abends ist Klara so müde und still,

dass sie beim Essen schon einschlafen will,

doch Kuscheln, doch Kuscheln – Kuscheln muss noch sein,

ohne Kuscheln schläft Klara nicht ein.

 

Und im Traum fliegt die Fee mit den goldenen Schwingen,

den Kindern der Welt schöne Träume zu bringen,

und Pizza mit Käse und Frieden im Land –

und Eltern, mit denen man kuscheln kann …

 


 

Der Grusel (2015, aus „Josefine Dampfmaschine“)

 

Wenns nachts im Zimmer knarrt und knackt,

wenn dich das große Grauen packt,

wenn schräge Schatten dich erschrecken,

dann kriecht der Grusel aus den Ecken.

 

Wenn der Gespensterchor erwacht

und schreckliche Geräusche macht,

wenn ein Gewitter blitzt und knallt,

dann kriecht der Grusel aus dem Wald.

 

Und wenn du Blut und Wasser schwitzt,

weil er schon unterm Bette sitzt,

und immer größer werden will,

so riesig wie ein Krokodil:

 

Dann schnapp dir deine Kissen

und auch dein Kuscheltier,

und tapse auf nackten Füßen,

in Mama und Papas Revier.

In ihrem Bett, da kuschel dich ein,

dann wird der Grusel klitzeklein,

und passt, da kannst du sicher sein,

in deinen kleinsten Finger rein.

 


Wir machen uns eine Gemütlichkeit (2015, aus „Josefine Dampfmaschine“)

 

Wir machen uns eine Gemütlichkeit,

der Sturm heult draußen ums Haus,

der Papa liest vor und Sophie trinkt Kakao,

kein Mensch will bei dem Wetter raus.

 

Wir machen uns eine Gemütlichkeit

im Sessel aus Großvaters Zeit,

mit Pippi und Emil, Rapunzel und Hans

und Marie im vergoldeten Kleid.

 

Wir machen uns eine Gemütlichkeit,

und Sophie schläft manchmal dabei ein,

dann träumt sie, bei Alice im Wunderland

und all ihren Freunden zu sein.

 


 

Papa, du bist peinlich (2015, aus „Josefine Dampfmaschine“)

 

Papa, du bist peinlich

mit deiner komischen Frisur,

Papa, du bist peinlich,

und tu mal was für die Figur.

Meine Freunde sagen,

was ist das denn für ein Typ?

Papa, du bist peinlich –

doch ich hab dich lieb.

 

Papa, du bist peinlich,

und bitte keine Küsschen mehr,

Papa, das ist peinlich,

als ob ich noch ein Baby wär.

Meine Freunde sagen,

du machst peinliche Musik,

Papa, du bist peinlich –

doch ich hab dich lieb.

 

Papa, du bist peinlich,

wie du lachst, das ist so uncool.

Papa, du bist peinlich,

was du machst, das ist so old School.

Meine Freunde sagen,

sowieso und im Prinzip,

sind alle Eltern peinlich –

doch ich hab euch lieb.

 


 

Der Fährmann (2014)

 

Vierzig Jahre von Ufer zu Ufer,

vierzig Jahre den Fluss gequert,

vierzig Jahre, Tag für Tag,

vierzig Jahre Hin und Her.

Vierzig Jahre von Ost nach West,

und den gleichen Weg zurück,

Hin und Her und Her und Hin,

vierzig Jahre das gleiche Stück.

 

Vierzig Jahre Witze gemacht,

vierzig Jahre gelacht und gescherzt,

was für ein lustiger Fährmann das ist –

keiner, keiner sah in sein Herz.

Und seit Jahren der vage Gedanke:

Kann ich mich davon befrein?

Ufer und Ufer – Hin und Her,

Müsste da nicht noch was anderes sein?

 

An einem Tag im September,

einem gewöhnlichen Tag,

der letzte Gast war gefahren,

die Fähre am Ufer schon lag,

da fuhr er zur Mitte des Flusses,

und nahm das Beil in die Hand,

und kannte auf einmal die Lösung,

und hat sie plötzlich gekannt.

 

Und der Fährmann kappt das Seil,

mit dem scharfen Enterbeil.

Und der Fährmann lacht dabei

Und er schreit, jetzt bin ich frei!

Und er brüllt es in den Wind.

Und er treibt befreit dahin.

Nie mehr Hin und nie mehr Her,

hin zum uferlosen Meer,

hin zum uferlosen Meer,

hin zum uferlosen Meer …

 


 

Abenteuer   (2013)

 

Will ich spazierngehn, willst du schlafen,

hab ich Hunger, hast du Durst,

brauch ich Liebe, willst du Fernsehn,

will ich Pudding – willst du Wurst.

 

Will ich Weißwein, willst du Rotwein

Will ich schwarz, dann willst du bunt,

will ich heute, willst du morgen,

will ich Kinder, willst du´n Hund.

 

Es wird mit dir nie langweilig,

immer hin und her.

jeden Tag ein Abenteuer –

deshalb lieb ich dich so sehr.

 

Sag ich Sommer, sagst du Winter,

sag ich Berge, dann sagst du See

sag ich Oper, sagst du Disko,

sag ich Ja, dann sagst du Nee.

 

Sag ich linksrum, sagst du rechtsrum,

sag ich Hü, dann sagst du Hott,

sag ich oben, sagst du unten,

sag ich Teufel, sagst Du Gott.

 

Es wird mit dir nie langweilig,

immer hin und her.

Jeden Tag ein Abenteuer –

deshalb lieb ich dich so sehr.

 


Hoffnungswalzer  (2013, aus „Wunderwalzer)

 

Der Strauch hat alle Blätter verloren,

wie schön hat er sommers geblüht.

Jetzt ist es so plötzlich Herbst geworden,

nur grau und braun, wohin man auch sieht.

Doch das ist kein Grund zum Traurigsein,

schau nur richtig hin:

Die Knospen sind schon am Strauch,

die im nächsten Jahr blühn,

die Knospen sind schon am Strauch,

die im nächsten Jahr blühn.

 

Und jedes Jahr diese Einsamkeit,

wenn uns der Sommer verlässt.

Alles scheint trüb und die Nebel ziehn,

ein letztes Glas auf dem trostlosen Fest.

Doch das ist kein Grund zum Traurigsein,

schau nur richtig hin:

Die Knospen sind schon am Strauch,

die im nächsten Jahr blühn,

die Knospen sind schon am Strauch,

die im nächsten Jahr blühn.

 

Und glaubst du, es gibt keine Hoffnung mehr

und alles wäre verlorn.

Es fehlt dir an Mut und Gelassenheit,

nur Mauern ringsum und kein Blick nach vorn.

Auch das ist kein Grund zum Traurigsein,

schau nur richtig hin:

Die Knospen sind schon am Strauch,

die im nächsten Jahr blühn,

die Knospen sind schon am Strauch,

die im nächsten Jahr blühn.

 


Navigator  (2011, aus „Broken heart auf Kaffeefahrt“)

 

Manchmal hab ich das Gefühl, dass die ganze Welt spinnt,

manchmal denk ich, dass wir hier in Gottes Irrenhaus sind

manchmal kommt es mir so vor, als wärn wir alle infiziert

mit nem Wahnsinnsvirus, das längst das Kommando führt.

 

Manchmal fliege ich so hoch, dass mich die Sonne streift,

manchmal stürze ich in Tiefen, die ein U-Boot nicht erreicht.

Manchmal steck ich mit dem Kopf im dicken Wolkenbrei,

manchmal renn ich lauter nicht vorhandne Mauern ein.

 

Und von irgendwo klingt plötzlich ein Geigenton

Und die aufgeregten Stimmen schweigen schon

Und wenn die Sonne untergeht in roter Glut

Lieg ich in deinen Armen und dann gehts mir gut.

 

Und ich lieg in deinen Armen und es geht mir gut

Du bist mein Anker und du bist mein Rettungsboot.

Du bist mein Navigator, der im Raumschiff Welt

Den Funkkontakt zur Basis Erde hält.

 

Manchmal meutert mein Gewissen, manchmal hält es ganz still,

manchmal macht mein fettes Ego mit mir was es will,

manchmal komm ich nicht mehr raus aus meinem eignen Labyrinth,

manchmal stehe ich im Spot und fühl mich nackt und blind.

 

Und von irgendwo klingt plötzlich ein Geigenton

Und ich merk, ein bisschen besser geht’s mir schon

Und wenn die Sonne untergeht in roter Glut

Lieg ich in deinen Armen und dann gehts mir gut.

 

Und ich lieg in deinen Armen und es geht mir gut

Du bist mein Anker und du bist mein Rettungsboot.

Du bist mein Navigator, der im Raumschiff Welt

Den Funkkontakt zur Basis Erde hält.

 


 

Zu Hause ist man da, wo man liebt (2010, aus „Wunderwalzer“)

 

Auch die längste Reise endet irgendwann,

und irgendwann – kommt jeder mal an,

manchmal scheint der Weg ziemlich weit,

aber jegliches hat seine Zeit.

Auch die längste Reise endet irgendwo,

und das Schiff braucht einen Hafen sowieso.

Der Wanderer findet Quartier,

der Verliebte fragt: Zu dir oder mir.

 

Irgendwo bleibt man doch,

irgendwie findet man immer,

n´ Dach überm Kopf,

ein möbliertes Zimmer

und´n warmen Ofen – den es da gibt,

doch zu Hause ist man da, wo man liebt.

 

Und das Schicksal schickt dich auf die Wanderschaft,

doch das Ziel der Reise – bleibt rätselhaft.

Eines Tages erwachst du wie von ungefähr,

und du fragst dich, wie komm ich hierher?

Wer will wissen, was mit ihm geschehen wird,

und was er in der Zauberkugel sehen wird?

Das Leben, wie mans lenken will,

bleibt ein Weg mit verborgenem Ziel.

 

Aber irgendwo bleibt man doch,

irgendwie findet man immer,

n´ Dach überm Kopf,

ein möbliertes Zimmer

und´n warmen Ofen – den es da gibt,

doch zu Hause ist man da, wo man liebt.

 


 

Broken heart auf Kaffeefahrt (2008)

 

„Broken heart“ heißt der Verein,

lauter schräge Schwaben,

alle über fünfundsechzig,

alle noch zu haben.

„Broken heart“ heißt der Verein

der gebrochnen Herzen,

aber Trübsal gibt es nicht,

Lachen, Singen, Scherzen.

 

Jedes Jahr zur gleichen Zeit,

wenn die Winzer mosten,

gibt es eine Kaffeefahrt,

heute in den Osten.

Saale-Unstrut ist das Ziel,

wird wohl herbe Kost,

aber man muss ja was tun

für den Aufbau Ost.

 

„Broken heart“ auf Kaffeefahrt

ausgeflippte Rentner.

Sekt und Bier genug an Bord,

mindestens zehn Zentner.

Himbeergeister, Jägermeister,

kleine Fläschchen kreisen.

Ach, es ist doch eine Lust,

Im Verein zu reisen.

 

Der Verein hat einen Vorstand

Und der heißt Klaus-Peter.

Peter war im früh’ren Leben

Staubsaugervertreter.

Kasse macht die dicke Hilde,

Hilde braucht zwei Sitze.

Rechnen kann sie leider nicht,

aber schweinsche Witze.

 

„Pinkelpause“, brüllt Klaus-Peter,

„alles in die Büsche!

Links die Herren, rechts die Damen,

dass ich kein’ erwische,

der die falsche Seite nimmt!“

Alle Damen kreischen.

Und die Herren fragen bang,

wird das Bier auch reichen.

 

Weiter geht die wilde Fahrt

Durch den wilden Osten.

Kurz vor Meißen ruft die Hilde:

„Wo ist denn der Thorsten?“

Jäh verstummt der Höllenchor.

Irgendwo in Hessen,

wo die Pinkelpause war,

hab’n se ihn vergessen.

Doch zurück? Auf keinen Fall –

Schwund gibt’s überall.

 

Schwarzbraun ist die Haselnuss,

Paule spielt Posaune,

Hilde das Akkordeon,

prächtig ist die Laune.

So ein Tag, so wunderschön,

und die Kräfte wachsen.

Mit dem Lied vom Polenkind

Fällt man ein in Sachsen.

 

Mittagessen, Weinverkosten,

bisschen geht noch rein.

Aber schmeckt nicht wie zu Hause,

also kauft man kein’n.

Rückfahrt stiller, denn der Ostwein

Liegt so schwer im Magen.

Nur die dicke Hilde singt noch,

die kann was vertragen.

 

„Broken heart“ auf Kaffeefahrt

nächstes Jahr dann wieder,

wieder mit viel Alkohol,

wieder diese Lieder.

Himbeergeister, Jägermeister,

alles ausgetrunken,

friedlich sind die müden Kriegen

in den Schlaf gesunken.

 


 

Weltende 2.1  (2004)

 

(Unter Verwendung des Gedichtes „Weltende“ von Jakob van Hoddis)

 

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,

in allen Lüften hallt es wie Geschrei.

Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei

und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Es wird gefeiert, dass es nur so kracht –

es ist zum Lachen, aber keiner lacht.

 

Und nicht nur Handwerker zerschellen dumpf,

auch Richter, Henker, Dichter, Denker scheitern.

Die Wunden schlecht verheilt, die Narben eitern.

Vom vielen Putzen sind die Zähne stumpf.

Die Masochisten greifen nach der Macht –

es ist zum Lachen, aber keiner lacht.

 

Raketen explodieren auf dem Mars.

Fanatiker verbrennen Fahnentücher.

Die Legastheniker verfassen Bücher.

Auf allen Sendern singen Superstars.

Gefakete Bilder lügen in die Nacht –

es ist zum Lachen, aber keiner lacht.

 

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen

an Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Und comedy die heilig letzte Schlacht –

es ist zum Lachen, aber keiner lacht.

 

Die Ratten sind aus ihrem Loch gekrochen,

die Dumpfen, die nach einem Führer gieren.

Die dicksten Dämme – weiß man – längst gebrochen.

Der Schnupfen ist wohl nicht mehr zu kurieren.

 


 

Das Fest (1997)

 

Haben alles ausgeleert,

bis zum letzten Rest,

keiner keinem zugehört,

Mann, war das ein Fest.

Lieder haben wir gesungen,

schaurig schön und schief.

Traurig haben wir getrunken,

als das Ende rief.

 

Ach, wir waren viel zu laut,

zu viel Blasmusik.

Kindisch haben wir gekaut

an der Politik.

Hemmungslos herumgehampelt,

oft bis früh um neun.

Manches haben wir zertrampelt,

was wir heut bereu’n.

 

Längst hat uns der Alltag wieder,

die Trompeten ruh’n.

Wollen wieder, brav und bieder,

unsre Arbeit tun.

Sehn wir uns nach Jahren wieder,

was durchaus geschehen kann,

singen wir die Heldenlieder –

schau’n die alten Fotos an.

 

Jeder brachte seine Lust,

seine Wärme ein,

jeder konnte seinen Frust

von der Seele schrei’n.

Jeder sprach mit sehr viel Phon,

jeder über sich.

Es war wie in Babylon,

wie am runden Tisch.

.

Spiele haben wir gespielt,

ja, wie warn gut drauf,

dass das Schiff nach oben kielt,

fiel nicht weiter auf.

Was war das für ein Gewühle,

Mittel heiligt Zweck,

zogen gegenseitig Stühle

unterm Arsch uns weg.

 

Jeder konnte jeden lieben,

wie es grade kam.

Zahme, die wie wild es trieben,

Wilde eher zahm.

Es gab allerhand zu lachen,

kurz vor Ultimo.

Gute Ehen gingen krachen,

andre sowieso.

 

Lieder haben wir gesungen,

schaurig schön und schief.

Traurig haben wir getrunken,

als das Ende rief.

Haben alles durchprobiert,

bis zum letzten Kuss.

Keiner keinem zugehört,

schaurig war der Schluss.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.

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Josefine Dampfmaschine – Lieder für Kinder, Kindsköpfe und Kindgebliebene

Posted by Office - 25. Juni 2016

Thomas Putensen und Band, Premiere am 24.7.2016 im „Sankt Spiritus“ Greifswald

Josefine Dampfmaschine

Josefine Dampfmaschine

Josefine Dampfmaschine

ist ein Superturbo-Quirl,

immer unter Dampf, die Fine,

niemals steht die Fine still.

 

 

Hängt sie grad am Kleiderständer?

Oder am Balkongeländer?

Schlägt sie wieder laut den Topf?

Oder steht sie auf dem Kopf? …

 

Titelliste: Aufräumrock, Der Clown ist krank, Der Grusel, Lisa will immer nicht teil´n, Eins, zwei, drei, Josefine Dampfmaschine, Kuschelwalzer, Langweilig, Mama sagt, Papa, du bist peinlich, Pusteblume, Trauriges Lied, Warum, Wir machen uns eine Gemütlichkeit

Josefine Dampfmaschine ist ein Kinder-Eltern-Programm ab 4 Jahre. Texte Ed Stuhler

 

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Sehen und Gestalten

Posted by Office - 13. Mai 2016

Der Kunstschmied und Stahlplastiker Fritz Kühn 1910 bis 1967

rbb Kulturradio, 17.8.2016, 19.04 Uhr

Karikatur Harald Kretzschmar Gedicht Hans-Georg Stengel

Karikatur Harald Kretzschmar
Gedicht Hans-Georg Stengel

Schrifttafel Fritz Kühn

Schrifttafel Fritz Kühn

Er wollte nie Künstler sein, er nannte sich selbst Kunsthandwerker, und war ein Kunstschmied von internationalem Format. Seine vielbeachtete Gitterwand auf der Brüsseler Weltausstellung brachte ihm 1958 den Durchbruch. In Berlin ist vor allem sein „Schwebender Ring“ bekannt, der monumentale Brunnen auf dem Strausberger Platz. Aber auch unzählige andere Arbeiten, oft in Verbindung mit bekannten Architekten, vom Hochhaus an der Weberwiese bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale. Berühmt wurde auch sein A-Portal an der Berliner Stadtbibliothek in der Breiten Straße. Es ging ihm darum, Architektur zu beleben und städtebauliche Orientierungspunkte zu schaffen. In nur rund 20 Schaffensjahren schuf er ein in Umfang und Wirkung gewaltiges Werk.

Er beobachtete, verinnerlichte die Natur und dachte in Eisen und Stahl. Die Natur war für ihn Ursprung der Kunst und des Gestaltens.

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Das innere Tagebuch der Marie Jalowicz

Posted by Office - 13. Mai 2016

Untergetaucht von 1942 bis 1945

Deutschlandfunk, 5.8.2016, 20.10 Uhr

Marie Jalowicz um 1944 ©Hermann Simon

Marie Jalowicz um 1944
©Hermann Simon

Mit 19 beschließt die Berliner Jüdin Marie Jalowicz, dass sie überleben wird – um jeden Preis. Als die Gestapo 1942 vor ihrem Bett steht, kann sie sich durch Geistesgegenwart der Verhaftung entziehen und taucht unter. Die nächsten drei Jahre wechselt sie von Versteck zu Versteck. Sie ist auf die Hilfe vieler Menschen angewiesen – viele nutzen ihre Notlage aus. Täglich ist sie von Denunziation, Verhaftung und Deportation bedroht.

Nach der Befreiung heiratet sie ihren Schulfreund Heinrich Simon. Sie studiert an der Berliner Universität Philosophie und Soziologie, promoviert und habilitiert. 1973 erlebe ich Frau Professor Marie Simon als überaus geistreiche Dozentin. Sie liest „Geschichte der antiken Philosophie“.

In der Zeit ihres Untergetauchtseins führt sie ein inneres Tagebuch. Die dramatischen Umstände erlauben keine schriftlichen Aufzeichnungen. Erst kurz vor ihrem Tode 1998 erzählt sie auf Bitten ihres Sohnes Hermann Simon ihre Geschichte. Sie bespricht 77 Tonbandkassetten. Auf Grundlage dieser Bänder hat die Autorin Irene Stratenwerth gemeinsam mit Hermann Simon das Buch „Untergetaucht“ veröffentlicht. Es erscheint 2014 bei S. Fischer.

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Spaniens Himmel breitet seine Sterne

Posted by Office - 13. Mai 2016

Paul Dessau, das „Thälmannlied“ und der Formalismusstreit in der DDR

rbb Kulturradio, 13.7.2016, 19.04 Uhr (Wiederholung der Sendung vom 26.11.2014)

 

Spaniens Himmel

Von den drei großen Brecht-Komponisten (Kurt Weill, Hanns Eisler) ist Paul Dessau wohl der unbekannteste Große oder große Unbekannte.

Stark von Arnold Schönberg und seiner Zwölftmusik sowie von seinem amerikanischen Exil geprägt, gerät er in der DDR, in die er unter Einfluss seines Freundes Bertolt Brecht 1948 remigriert, schnell in die scharfen kultur- und kunstpolitischen Auseinandersetzungen in der stark unter sowjetischer Dominanz stehenden jungen Republik.

Einerseits ist er der Schöpfer des weltbekannten Liedes „Spaniens Himmel“, andererseits ein glühender Anhänger der angefeindeten Moderne. Der hysterisch geführten Formalismus-Debatte fällt seine Oper „Lukullus“ zum Opfer, was ihn sehr verbittert. Auch seine späteren Opern  („Puntila“, „Lanzelot“, „Einstein“, „Leonce und Lena“) werden bestenfalls geduldet, Inszenierungen meist schnell wieder abgesetzt.

Den Erfolg der im Pariser Exil entstandenen „Thälmann-Kolonne“ bezeichnete er selbst als Glückssache. Um Entstehung und Urheberschaft des Liedtextes gibt es einige Rätsel.

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Berliner Geschmacksinseln

Posted by Office - 27. Juli 2015

 Ludwig Hoffmann, Ignatius Taschner und der Bauboom der Gründerzeit.

rbb Kulturradio, 25.11.2015, 19.04 Uhr

Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain

Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain

Ludwig Hoffmann hat mit seinem Amtsantritt 1896 ein neues Bild des städtischen Bauwesens versprochen. Es sollte nicht mehr nur ein Einheitsbaustil herrschen; er war ein Baukünstler, und er war der oberste Architekt der Stadt Berlin. Er hat in seiner Amtszeit mehr gebaut als all die berühmten Berliner Architekten wie Schlüter, Eosander, Knobelsdorff, Gontard, Langhans und Schinkel zusammen. Mit seinen bekanntesten Bauten, dem Märkischen Museum, den Virchow-Klinikum, dem Märchenbrunnen und den vielen Schulen, um nur einiges zu nennen, hat er Geschmacksinseln in Berlin geschaffen. Um seine Vorstellungen von stimmungsvollen Bauten realisieren zu können, legte er großen Wert auf die bauplastische Gestaltung. Die leichte, verspielte Kunst des Münchener Bildhauers Ignatius Taschner kam seinen Intensionen sehr entgegen.

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Rummelplatz

Posted by Office - 27. Juli 2015

Paul Dessau als Musiklehrer

Deutschlandfunk, 7.8.2015, 20.10 Uhr (Wiederholung der Sendung vom 29.11.2013)

Paul Dessau vor seiner Klasse in Zeuthen

Paul Dessau vor seiner Klasse in Zeuthen

„Lukullus“, „Lanzelot“, „Leonce und Lena“ sind die drei Opern, in denen sich die zunehmend kritische Haltung des Komponisten Paul Dessau zu seinem Land DDR, in das er 1948 aus amerikanischem Exil mit großen Hoffnungen kam, und seiner Kulturpolitik widerspiegeln. Dessau litt  an dem Misstrauen gegenüber den Künstlern, der anmaßenden Haltung  der herrschenden Kulturbürokratie sowie dem Unverständnis von moderner Musik. Seine Hoffnung, die Herrschenden auf dem Weg der „Fürstenerziehung“ beeinflussen zu können, erwies sich als Illusion.
Je mehr er feststellen muss, dass seine musikalische Aufklärung kaum auf fruchtbaren Boden fällt, desto intensiver wendet er sich der musikalischen Erziehung der Kinder zu.
An der Schule seines Wohnortes Zeuthen unterrichtet er 14 Jahre lang einmal in der Woche. Er weiß, dass die Schüler von Heute die Konzertbesucher von Morgen sein werden. Es gelingt dem weltbekannten Komponisten, erfolgreich den Lehrplan zu ignorieren und statt trockener Lehrbuchfakten schöpferischen Umgang mit Musik in den Vordergrund zu stellen.

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Wunderwalzer

Posted by Office - 25. Januar 2015

CD-Release, 13.2.2015, 21.00 Uhr, Wabe Thälmannpark

 

CD Wunderwalzer

CD Wunderwalzer

 

Wer den Entertainer Thomas Putensen schon mehr als einmal erlebt hat, weiß, dass seine Auftritte selten Wiederholungen sind. Sie leben von der ihm eigenen Spontanität und der Qualität seiner ihn begleitenden Musiker. Überraschungen sind immer zu erwarten.

Am 13.2.2015 um 21.00 Uhr stellt er seine CD „Wunderwalzer“ in der Wabe am Thälmannpark vor. Texte u.a. von Ed Stuhler

Mit dabei das komplette Beat-Ensemble bestehend aus Streichern, Bläsern und Backgroundgesang.

Thomas Putensen

Thomas Putensen

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Spaniens Himmel breitet seine Sterne

Posted by Office - 24. Oktober 2014

Paul Dessau, die „Thälmann-Kolonne“ und der Formalismusstreit in der DDR

rbb Kulturradio, 26.11.2014, 19.04 Uhr

Spaniens Himmel

Von den drei großen Brecht-Komponisten (Kurt Weill, Hanns Eisler) ist Paul Dessau wohl der unbekannteste Große oder große Unbekannte.

Stark von Arnold Schönberg und seiner Zwölftmusik sowie von seinem amerikanischen Exil geprägt, gerät er in der DDR, in die er unter Einfluss seines Freundes Bertolt Brecht 1948 remigriert, schnell in die scharfen kultur- und kunstpolitischen Auseinandersetzungen in der stark unter sowjetischer Dominanz stehenden jungen Republik.

Einerseits ist er der Schöpfer des weltbekannten Liedes „Spaniens Himmel“, andererseits ein glühender Anhänger der angefeindeten Moderne. Der hysterisch geführten Formalismus-Debatte fällt seine Oper „Lukullus“ zum Opfer, was ihn sehr verbittert. Auch seine späteren Opern  („Puntila“, „Lanzelot“, „Einstein“, „Leonce und Lena“) werden bestenfalls geduldet, Inszenierungen meist schnell wieder abgesetzt.

Den Erfolg der im Pariser Exil entstandenen „Thälmann-Kolonne“ bezeichnete er selbst als Glückssache. Um Entstehung und Urheberschaft des Liedtextes gibt es einige Rätsel.

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