Keibelstraße

Die wechselvolle Geschichte eines großen Hauses

rbb-Kulturradio, 18.5.2011, 19.05 Uhr

Vor 80 Jahren, im Jahre 1931, weihte der Karstadt–Konzern seine neue Hauptverwaltung, gelegen zwischen Neuer König- (heute Otto-Braun-Straße)  und Keibelstraße ein. Es war damals das größte Bürogebäude Berlins, die Berliner nannten es das Haus der 4000 Fenster.

Wenige Gebäude spiegeln die wechselvolle Geschichte Berlins in solcher Intensität wider, wie dieses. Schon drei Jahre später, Karstadt ist in der Krise, verkauft der Konzern das riesige Gebäude an das Deutsche Reich. Im jetzigen „Reichshaus“ richten die Nazis ihr Statistisches Reichsamt ein – von hier aus werden Volkszählungen durchgeführt, um z.B. die Anzahl der Juden im Deutschen Reich zu erfassen.

Im 2. Weltkrieg wird das Haus schwer beschädigt und ab 1947 wieder aufgebaut. Von 1949 bis zum Ende der DDR dient es als Volkspolizeipräsidium. Zwischen zwei Innenhöfen wird ein Polizeigefängnis, die spätere Untersuchungshaftanstalt II, eingerichtet.

1961 leitet Erich Honecker von der Keibelstraße aus den Bau der Mauer.

„Keibelstraße“ war ein Synonym für Angst und Bedrohung. Zahlreiche Oppositionelle  wurden hier, oft wochenlang, unter den in der DDR üblichen katastrophalen Bedingungen inhaftiert und verhört.

Seit dem Jahre 2010 nutzt die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung das Gebäude. In der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt wird ein „Lernort“ eingerichtet.

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