Liebe, Hass und Pragmatismus

Deutsche in der DDR – Zum 20. Jahrestag der Maueröffnung

SWR2, Redaktion Leben, 9.11.2009, 10.05 Uhr

Drei DDR-Bürger, der Allroundmusiker Andy, die Lehrerin Katrin und der Wirtschaftsjurist Peter, berichten über ihr Leben in der DDR und ihr sehr unterschiedliches Verhältnis zum Staat. Wir erfahren, mit welchen Emotionen sie die Wende erleben, den Oktober 89, den 4. November 1989 mit der Großdemonstration auf dem Alexanderplatz, die Maueröffnung am 9. November und den Beitritt zur Bundesrepublik, und wie das politische Ereignis Wende ihr persönliche Leben verändert.

Der Frühling braucht Zeit

Ulbrichts Versuch einer liberalen Jugend- und Kulturpolitik in der DDR

Feature, SWR2 Dschungel, 30.9.2009, 19.20 Uhr

Auf dem VI. Parteitag der SED im Januar 1963 kündigte Walter Ulbricht eine neue Jugend -und Kulturpolitik an. In jener Zeit hatte Dieter Wolf begonnen, als Dramaturg bei der DEFA, der einzigen Filmproduktionsfirma in der DDR, zu arbeiten. Wolf war wie viele Kulturschaffende voller Aufbruchstimmung. Die junge Schriftstellerin Christa Wolf setzte sich mit dem geteilten Deutschland auseinander. Absurditäten in der sozialistischen Wirtschaftspolitik durften plötzlich thematisiert werden. Kritische soziale Stoffe wurden verfilmt. Ulbricht benannte einen jüngeren Kulturminister und ein neues Jugendkommunique brachte „Vertrauen in die Jugend“ des Landes zum Ausdruck. Das sogenannte „Kahlschlagplenum“ 1965 setzte dieser Entwicklung allerdings ein abruptes Ende. Und Dieter Wolf beschäftigte sich fortan mit unverfänglichen historischen Stoffen.

Mauerlöcher

Der Bau der Mauer und die ersten Fluchthelfer.

Feature, rbbKulturradio, 12.8. 2009, 19.05 Uhr

Die Ersten, die sofort nach dem 13. August 61 begannen, Leuten aus der DDR zur Flucht zu verhelfen, waren Studenten der FU um Detlef Girrmann und Dieter Thieme (Girrmann-Gruppe). Sie taten das aus Idealismus und ohne finanzielle Interessen. Und auch nur wenige Jahre – bis 1964. Dann wurde die Szene zunehmend kommerzialisiert und zwielichtig.
Detlef Girrmann sowie Helfer, Läufer und Ausgeschleuste berichten über diese ersten Jahre.

Jeder Mensch kann jeden lieben?

Der Liedermacher Kurt Demmler und die Mädchen

Feature, Deutschlandfunk, 23.6.2009

Er war ein Vielschreiber. Nach eigener Aussage hat der Liedermacher und Songtexter um die Zehntausend Liedtexte und Songs geschrieben. Zahlreiche DDR-Rockgruppen und Sänger haben seine Texte interpretiert: Karat, Renft, Karussell. Am bekanntesten vielleicht „Du hast den Farbfilm vergessen“, das er für Nina Hagen textete. Sein Amiga-Album „Die Lieder des kleinen Prinzen“, nach dem Buch von Saint-Exupéry, auf der er gemeinsam mit Kindern sang, erreichte hohe Auflagen.

In der Nacht vom zweiten zum dritten Februar 2009 erhängte sich Kurt Demmler in seiner Zelle in der Untersuchungshaftanstalt Berlin Moabit. Er war des sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt. Der dritte Februar war der Verhandlungstag, an dem die missbrauchten Mädchen aussagen wollten.

Ist dieser Selbstmord Eingeständnis der Schuld, Flucht vor den Konsequenzen oder ein letztes Rechthaben? Die Betroffenen stehen mit leeren Händen. Keine juristische Aufarbeitung, keine irgendwie geartete Genugtuung. Und es gibt Stimmen, die den Vorwurf erheben, man hätte „den genialen Künstler in den Tod getrieben“.
Eine Annäherung an einen begabten, komplizierten und äußerst widersprüchlichen Menschen.

Manuskript:  http://www.dradio.de/download/106290/

Mensch, Walter

Walter Hofmann
Walter Hofmann

Feature, SWR2, 9.6.2009
Im Jahre 1979 beendet eine Stasi-Intrige die Lehrtätigkeit des Philosophiedozenten Walter Hofmann. Über zehn Jahre war er an in der Sektion Kulturwissenschaft und Ästhetik der Humboldt-Universität zu Berlin als Hochschullehrer tätig. Jetzt erhält er Berufsverbot. Darüber hinaus wird ihm jeder Kontakt zu den Studenten verwehrt. Das ist die Höchststrafe für einen Menschen, der mit Leidenschaft Lehrer ist. Der Vorwurf lautet, dass er in seinen Lehrveranstaltungen staats- und parteifeindliche Auffassungen vertritt. Tatsächlich versucht er, mit großem Erfolg, zu kritischem Denken zu erziehen. Dafür, und dass es in seinen Vorlesungen und Seminaren keine Tabus gibt, wird er von den Studenten fast abgöttisch verehrt. Die ungewöhnliche Wissenschaftlerkarriere eines so unbeugsamen wie bescheidenen Mannes.

Manuskript:

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/leben/-/id=4780218/property=download/nid=660174/u86o69/swr2-leben-20090609.pdf

Jeder hat das Recht, seine Herkunft zu kennen

Pass des Vaters
Pass des Vaters

Eine Vatersuche

Feature, SWR 2, 24.3.2009

Schulamit Weil erfährt 1986, sie ist achtzehn, dass der Mann, den sie bisher für ihren leiblichen Vater hielt, dieses nicht ist. Dennoch dauert es Jahre, bis sie zu der Erkenntnis kommt, dass jeder das Recht hat, seine Herkunft zu kennen. Der einzige Mensch, der ihr etwas dazu sagen kann, ist ihre Mutter. Die jedoch ist wenig bereit, Auskunft zu erteilen. Aber Schulamit bleibt hartnäckig und erfährt schließlich, dass ihr Vater ein ungarischer Jude ist, mit dem ihre ebenfalls jüdische Mutter auf einer Schiffspassage auf der „Moledet“nach Israel ein kurzes Verhältnis hatte. Im Jahre 2000 beginnt sie nach ihrem Vater zu suchen. Wie sich diese Suche gestaltet und wie sie ihren Vater endlich findet, davon handelt dieses Feature.

Hier bin ich geborn – hier hat mich mein Gott verlorn

Gundis Grabstein
Gundis Grabstein

Vor 10 Jahren starb der ostdeutsche Liedermacher Gerhard Gundermann

Feature, Deutschlandfunk, 24.6.2008

„Ich sehe mich nicht als Opfer. Und auch nicht als Täter. Ich habe mich mit der DDR eingelassen – mit wem auch sonst – ich habe ausgeteilt und eingesteckt.“, sagte der ostdeutsche Liedermacher Gerhard Gundermann 1995. Drei Jahre später erlag er einem Gehirnschlag. Er wurde nur 43 Jahre alt.
Die Presse nannte ihn gern den „Singenden Baggerfahrer“ , arbeitete er doch als solcher bis fast zu seinem Tode im Braunkohlentagebau.
Vor allem nach der Wende wurde Gundermann bekannt, schrieb für die Rockgruppe „Silly“ und artikulierte als „Stimme des Ostens“ das Lebensgefühl der Nachwendegeneration. In vielen seiner Lieder, wie in „Hier bin ich geboren“, definierte er sich stark über seine Herkunft.
1995 wurde aber auch bekannt, dass er als IM „Grigori“ acht Jahre lang mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammen gearbeitet hatte. Er bekannte sich zu dieser Tätigkeit; Art und Umfang versuchte er jedoch klein zu reden.

Manuskript:  http://www.dradio.de/download/87028/

Ohne Schlapphut und Tabakspfeife

Detektivausstattung
Detektivausstattung

Detektivausbildung in Deutschland

Feature, BR 2, 25.3.2008

Der Tätigkeit des Privatdetektivs ist in Deutschland nicht geschützt. Das heißt, jeder der glaubt, durch eifriges Anschauen der einschlägigen Fernsehserien ausreichend qualifiziert zu sein, kann diesen Beruf ergreifen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich unter den ca. 10.000 Privatdetektiven, die es in Deutschland gibt, einige schwarze Schafe tummeln.
Der Bund Deutscher Detektive (BDD), einer der drei großen Detektivverbände, fordert deshalb, dass privater Ermittler eine Ausbildung absolvieren, um sich mit den rechtlichen und fachlichen Grundlagen vertraut zu machen. Als eine der besten Ausbildungsstätten empfiehlt er das Bildungsinstituts Brückner in Berlin Marzahn.
Wir begleiten einen Lehrgang dieses Instituts und erleben, dass es nicht einfach ist, sich Grundkenntnisse auf den Gebieten Observation, Spuren- und Beweissicherung, Abwehr von Lauschangriffen u.a. anzueignen.

Sirene ruft an

Das akustische Erbe des Ministeriums für Staatssicherheit

Feature, SWR2, 20.2.2008

Im April 1984 ruft ein Mann aus einer Telefonzelle in Budapest die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Ungarn an. Er stellt sich als Mitarbeiter der bewaffneten Organe der DDR vor und bittet um ein persönliches Gespräch. Der Mann will mit seiner Familie die DDR verlassen und erhofft sich Hilfe. Dieses Telefonat wird vom ungarischen Geheimdienst aufgezeichnet und dem „befreundeten Organ“, dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR, übergeben. Das MfS setzt einen ungeheuren Apparat in Gang, um unter den 65000 männlichen DDR-Bürgern, die sich an diesem Tag in Ungarn aufhielten, den unbekannten Anrufer zu identifizieren. Dies gelingt ihm, unter anderem durch seine Experten für Sprechererkennung.
Die Aufzeichnung des Telefonates ist nur einer von ca. 160000 Tonträgern verschiedenster Art – die akustische Hinterlassenschaft des MfS.

Tanzkinder sind Wir-Kinder

Tanzkinder
Tanzkinder

Zum 70. Geburtstag der Tanzpädagogin Irmhild Kaufer

Feature, rbb-Kulturradio, 16.1. 2008

Die Tanzpädagogin Irmhild Kaufer hat 35 Jahre die Ballettabteilung der Musikschule Berlin-Mitte geleitet. In dieser Zeit sind Hunderte von Kindern buchstäblich durch ihre Hände gegangen, viele haben später die Staatliche Ballettschule der DDR besucht, sind Tänzer, Tänzerinnen oder Ballettpädagogen geworden – so wie Beatrice Knop, erste Solotänzerin des Staatsballetts Berlin (Staatsoper unter den Linden), die in der Sendung zu Wort kommt.
Irmhild Kaufer ist Schülerin der international bekannten Tanzlehrerin Gret Palucca und hat von 1953 bis 58 deren weltberühmte Schule in Dresden besucht. Hier liegen ihre Wurzeln, hier wurde sie geprägt, vor allem was ihre Haltung zum Tanzen betrifft. Tanzen ist für sie mehr als Bewegung und künstlerische Betätigung. In ihrer ganzheitlichen Auffassung gehören dazu auch Herausbildung positiver Charaktereigenschaften wie Gemeinschaftsgefühl, („Tanzkinder sind Wir-Kinder“), Disziplin und gesunde Lebensweise.
Heute schließt sich der Kreis, ist sie selbst Lehrbeauftragte an der Tanzhochschule „Gret Palucca“ in Dresden – da wo ihre Karriere begann. Sie hat dort den Bereich Kindertanz aufgebaut und gibt ihre reichen Erfahrungen an künftige Kindertanzpädagogen weiter.
Im Jahr 2008 feiert sie ihr 50. Bühnenjubiläum.