Spaniens Himmel breitet seine Sterne

Paul Dessau, die „Thälmann-Kolonne“ und der Formalismusstreit in der DDR

rbb Kulturradio, 26.11.2014, 19.04 Uhr

Spaniens Himmel

Von den drei großen Brecht-Komponisten (Kurt Weill, Hanns Eisler) ist Paul Dessau wohl der unbekannteste Große oder große Unbekannte.

Stark von Arnold Schönberg und seiner Zwölftmusik sowie von seinem amerikanischen Exil geprägt, gerät er in der DDR, in die er unter Einfluss seines Freundes Bertolt Brecht 1948 remigriert, schnell in die scharfen kultur- und kunstpolitischen Auseinandersetzungen in der stark unter sowjetischer Dominanz stehenden jungen Republik.

Einerseits ist er der Schöpfer des weltbekannten Liedes „Spaniens Himmel“, andererseits ein glühender Anhänger der angefeindeten Moderne. Der hysterisch geführten Formalismus-Debatte fällt seine Oper „Lukullus“ zum Opfer, was ihn sehr verbittert. Auch seine späteren Opern  („Puntila“, „Lanzelot“, „Einstein“, „Leonce und Lena“) werden bestenfalls geduldet, Inszenierungen meist schnell wieder abgesetzt.

Den Erfolg der im Pariser Exil entstandenen „Thälmann-Kolonne“ bezeichnete er selbst als Glückssache. Um Entstehung und Urheberschaft des Liedtextes gibt es einige Rätsel.

Lin und Eberhard – Geschichte einer großen Liebe

 

Lin Jaldati, die Sängerin des jiddischen Liedes, und der Pianist und Musikwissenschaftler Eberhard Rebling

  Deutschlandfunk, 19.9.2014, 20.10 – 21.00 Uhr (Wiederholung der Sendung vom 8.2.2013)

Lin und Eberhard mit Kathinka und Jalda 1952
Lin und Eberhard mit Kathinka und Jalda 1952

Eberhard Rebling, 25jähriger Pianist und Musikwissenschaftler, Antifaschist und Sohn eines preußischen Offiziers, hat 1936 das faschistische Deutschland in Richtung Holland verlassen. In Den Haag trifft er ein Jahr später die jüdische Revuetänzerin Lin Jaldati und verliebt sich unsterblich.

Durch seine Frau lernt Eberhard die jüdische osteuropäische Kultur kennen, besonders das jiddische Lied. Er rät ihr, sich auf dessen Interpretation zu spezialisieren. Gemeinsam erarbeiten sie Programme mit Liedern und Tänzen; er begleitet sie am Klavier.

Als die Deutschen in Holland einmarschieren, müssen beide untertauchen. Eberhard mietet unter falschen Namen ein Haus, in dem sie bis zu 20 bedrohte Juden verstecken. Das Versteck fliegt auf, Eberhard kann fliehen, Lin überlebt Auschwitz und Bergen Belsen.

Nach dem Krieg siedeln sie in die junge DDR über. Lin entwickelt sich zur weltweit bekannten Interpretin des jiddischen Liedes.

50 Jahre, bis zum Tod von Lin im Jahre 1988, bleiben sie ein unzertrennliches Paar. Eberhard wird seine Frau um 20 Jahre überleben. Sie finden ihre letzte Ruhestätte auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.

Rummelplatz

Paul Dessau als Musiklehrer

Deutschlandfunk, 29.11.2013, 20.10 – 21.00 Uhr

Paul Dessau vor seiner Klasse in Zeuthen
Paul Dessau vor seiner Klasse in Zeuthen

„Lukullus“, „Lanzelot“, „Leonce und Lena“ sind die drei Opern, in denen sich die zunehmend kritische Haltung des Komponisten Paul Dessau zu seinem Land DDR, in das er 1948 aus amerikanischem Exil mit großen Hoffnungen kam, und seiner Kulturpolitik widerspiegeln. Dessau litt  an dem Misstrauen gegenüber den Künstlern, der anmaßenden Haltung  der herrschenden Kulturbürokratie sowie dem Unverständnis von moderner Musik. Seine Hoffnung, die Herrschenden auf dem Weg der „Fürstenerziehung“ beeinflussen zu können, erwies sich als Illusion.
Je mehr er feststellen muss, dass seine musikalische Aufklärung kaum auf fruchtbaren Boden fällt, desto intensiver wendet er sich der musikalischen Erziehung der Kinder zu.
An der Schule seines Wohnortes Zeuthen unterrichtet er 14 Jahre lang einmal in der Woche. Er weiß, dass die Schüler von Heute die Konzertbesucher von Morgen sein werden. Es gelingt dem weltbekannten Komponisten, erfolgreich den Lehrplan zu ignorieren und statt trockener Lehrbuchfakten schöpferischen Umgang mit Musik in den Vordergrund zu stellen.
Gemeinsam mit den Kindern erarbeitet er Lieder nach Tierversen von Brecht und 1963 das Singspiel „Rummelplatz“.

Lin und Eberhard – die Geschichte einer großen Liebe

Lin Jaldati, die Sängerin des jiddischen Liedes, und der Pianist und Musikwissenschaftler Eberhard Rebling

Deutschlandfunk, 8.2.2013, 20.10 – 21.00 Uhr

Lin und Eberhard mit Kathinka und Jalda 1952
Lin und Eberhard mit Kathinka und Jalda 1952

Eberhard Rebling, 25jähriger Pianist und Musikwissenschaftler, Antifaschist und Sohn eines preußischen Offiziers, hat 1936 das faschistische Deutschland in Richtung Holland verlassen. In Den Haag trifft er ein Jahr später die jüdische Revuetänzerin Lin Jaldati und verliebt sich unsterblich.

Durch seine Frau lernt Eberhard die jüdische osteuropäische Kultur kennen, besonders das jiddische Lied. Er rät ihr, sich auf dessen Interpretation zu spezialisieren. Gemeinsam erarbeiten sie Programme mit Liedern und Tänzen; er begleitet sie am Klavier.

Als die Deutschen in Holland einmarschieren, müssen beide untertauchen. Eberhard mietet unter falschen Namen ein Haus, in dem sie bis zu 20 bedrohte Juden verstecken. Das Versteck fliegt auf, Eberhard kann fliehen, Lin überlebt Auschwitz und Bergen Belsen.

Nach dem Krieg siedeln sie in die junge DDR über. Lin entwickelt sich zur weltweit bekannten Interpretin des jiddischen Liedes.

50 Jahre, bis zum Tod von Lin im Jahre 1988, bleiben sie ein unzertrennliches Paar. Eberhard wird seine Frau um 20 Jahre überleben. Sie finden ihre letzte Ruhestätte auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.

Grab auf den Dorotheenstädtischen Friedhof
Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof

Zum Nachhören:  http://www.dradio.de/aod/html/?station=1&broadcast=641012&

Das erste sozialistische Haus der DDR

Vor 60 Jahren wurde das Hochhaus an der Weberwiese eingeweiht

rbb Kulturradio, 16.5.2012, 19.04 Uhr

Am 1. Mai 1952, wurde das Hochhaus an der Weberwiese feierlich eingeweiht. Sein Bau wurde  mit großem propagandistischem Aufwand begleitet.

Vorausgegangen waren erregte Auseinandersetzungen um Formalismus in Kunst und Architektur. Hermann Henselmanns  erster Entwurf wurde von ND-Chefredakteur Rudolph Herrnstadt scharf kritisiert:  Der Architekt  wandte sich daraufhin  an Bertolt Brecht. Der riet ihm, sich kurzfristig zu arrangieren und langfristig seinen ungebildeten Bauherrn zu erziehen.

Das Hochhaus an der Weberwiese zeigt alle wesentlichen Merkmale der späteren Stalinallee, als deren Erbauer Henselmann für viele  bis heute gilt.

Hochzeitstag

Noten GlanzbergNorbert Glanzberg und das Protokoll eines gescheiterten Projekts

Deutschlandfunk, 9.3.2012, 20.10 Uhr (50 Minuten)

1986 reiste ich nach Wien und  Paris.

Ich hatte das Libretto für das Musical „Hochzeitstag“ verfasst, die Musik dazu hatte der jüdische Komponist Norbert Glanzberg in Paris geschrieben. Zwei Schauspieler sollten es aufführen: Gisela May aus Berlin  und der Wiener Michael Heltau.

Glanzberg spielte mir in Paris stundenlang seine Welthits vor, erzählte von seiner Kindheit in Würzburg, vom Engagement am Berliner Admiralspalast, wo er u.a. mit  Billy Wilder, Erich Kästner und Max Ophüls zusammenarbeitete, von der Flucht nach Paris und seiner Liebe zu Edith Piaf. – Es war eine fruchtbare Arbeitswoche.

In Wien sollte das fertige Stück aufgeführt werden, Regie sollte Georgio Strehler führen, mit dem Heltau befreundet war. Ich traf Heltau in Wien jedoch nicht an. Er war einer anderen Verpflichtung gefolgt. Vielleicht wusste er nicht, dass ich nicht so einfach wiederkommen konnte.

Das Projekt scheiterte nach vielen Anläufen. Norbert Glanzberg, dessen Briefe an mich immer verbitterter klangen, gab  Heltau die Schuld. Aber im Grunde waren es die politischen Umstände, die eine Realisation der letzten großen Arbeit Glanzbergs verhinderten.

Norbert Glanzbergs starb 2001.

Das Musical wartet bis heute auf seine Uraufführung.

Podcast: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1665260/