Margot Honecker – Eine Biographie

Margot Honecker - Eine Biographie
Margot Honecker - Eine Biographie

Verlag Karl Ueberreuter Wien

 

Ed Stuhler porträtiert diese ebenso erfolgreiche wie umstrittene Politikerin in Wort und Bild. Auf Basis umfangreicher Archivstudien und zahlreicher Interviews mit Zeitzeugen, Wegbegleitern und Gegnern zeichnet er erstmals ihren privaten und beruflichen Werdegang nach: Ihre Kindheit im Dritten Reich, ihre politische Karriere in der SED, ihre Ehe mit Erich Honecker und ihr Leben in Chile. Erstmals wird ausführlich ihre von Gerüchten umwitterte Beziehung zu Wolf Biermann dargestellt. Exklusiv auch sein Beweis, dass E.H. dreimal verheiratet war: Ed Stuhler fand die beweisenden Dokumente.

Advertisements

Die Welt, 13. Mai 2003

Erich und Margot Honecker waren nicht mit Godzilla verwandt, aber sie schienen sein Privatleben zu haben, nämlich so gut wie keines. Heutige Politiker kokettieren ganz gern mit ihren Extratouren. Doch Honeckers verkörperten eine Sozialismusmaschine. Sie hatten keine Ahnung, dass es vor allem menschliche Schwächen sind, die einen als Mensch erkenntlich machen. Die Primärquellenlage ist entsprechend, aber den Autoren Thomas Grimm und Ed Stuhler ist dennoch eine sehenswerte Dokumentation über die persönlichen Lebensumstände des mächtigsten Ehepaars der DDR gelungen. Der Film dürfte ein Nebenprodukt der von Stuhler kürzlich vorgelegten Margot-Honecker-Biografie sein: Aus der Nähe betrachtet wirkt „Hexe Margot“ darin wie eine richtige Frau, sogar wie eine mit Herz und Verstand.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. März 2003

Ed Stuhlers Biografie über Margot Honecker, die als Ministerin im Volksbildungsministerium 26 Jahre lang die Jugendpolitik in der ehemaligen DDR bestimmte, ist nach Einschätzung von Rezensent Frank Pergande recht gut gelungen. Flott und unterhaltend erzählt Stuhler das Leben Margot Honeckers, lobt Pergande. Viele Details prägen sich seines Erachtens ein: etwa die merkwürdige Beziehung der Ministerin zu Wolf Biermann oder ihre blau gefärbten Haare, die in der DDR diskutiert wurden. Man erfahre aber auch von ihrer Trauer über die früh gestorbene Enkelin und ihre zupackende Art, die sich bewährte, als die Honeckers abgesetzt worden waren und das Exil rief. Margot Honecker habe Politik mit Intrige verwechselt. Hexe Honecker trifft es aber dennoch nicht, hält Pergande fest. Vielmehr sieht er sie als klassisches Produkt der DDR, das mit ihr untergehen musste.
Frank Pergande

Die Zeit, 12/2003

Gern hätte Ed Stuhler die Verruchte selbst befragt. Jedoch beschied sie ihn aus Chile, sie sehe keinen Sinn darin, mit Schreibern zu reden, „deren Absicht letztlich nur darin besteht, den Feldzug gegen den Sozialismus fortzusetzen“. Stuhler, trocken: „Was nicht meine Absicht war.“ In der Tat: Manchen Leser mag dieses Buch als Enthexung der M.H. befremden, gipfelnd in der herzhaften These, Finnland sei Sieger von Pisa geworden, weil es die polytechnische Schulform der DDR übernommen habe.
Schon auf der ersten Seite reklamiert Stuhler für seine DDR-Vita „eine Schulzeit wie anderswo auch“. Erfreulicherweise mündet dieser Befund nirgends in eine Apologie des Dogmatismus, an dem der SED-Staat moralisch zugrunde ging.
Frau Honecker, verlautet aus Chile, werde ihr Schweigen vielleicht doch noch brechen. Leider ist man darauf nicht sehr gespannt, es sei denn, ihr Sprechen enthielte, worum Ed Stuhlers freigeistiges Buch sich bemüht: Mut zur Ambivalenz.
Christoph Dieckmann