Liedtexte

(Auswahl)

Der Schoß ist fruchtbar noch (2016)

Unter Verwendung einer Zeile von Bertolt Brecht aus dem Epilog des „Arturo Ui“
Es wabert dumpf im braunen Sumpf,
es schwillt das Hassgeschrei.
Der brave Bürger zündelt mit,
der Nachbar greift zum Stein.
Man schweigt und denkt, das geht vorbei
und duckt sich ins Versteck.
Man hofft, es wird so schlimm nicht sein
und kratzt den Pickel weg.
Man denkt, das kommt nicht wieder, doch
der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.
Das traut sich raus, schon brennt das Haus,,
schon greift das nach den Sternen.
Das redet schon von an die Wand,
(und) vom Hängen an Laternen.
Man denkt, das kommt nicht wieder, doch
der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.
Kuschelwalzer (2016, aus „Josefine Dampfmaschine“)

Was für ein fröhlicher Tag war das wieder,
voll Überraschungen, Spiele und Lieder,
morgens gabs schon eine Polonaise,
mittags gabs Pizza mit Ketschup und Käse,
Kinderfasching, lustig und laut,
Tanzen und Toben und Gänsehaut.
Abends ist Klara so müde und still,
dass sie beim Essen schon einschlafen will,
doch Kuscheln, doch Kuscheln – Kuscheln muss noch sein,
ohne Kuscheln schläft Klara nicht ein.
Was für ein fröhlicher Tag war das heute,
Fasching im ganzen Kita-Gebäude.
Klara als Fee mit zwei goldenen Flügeln,
Eddie als Pferdchen mit Mähne und Zügeln,
Tino als Dino und Frida als Braut,
Tanzen und Toben und Gänsehaut.
Abends ist Klara so müde und still,
dass sie beim Essen schon einschlafen will,
doch Kuscheln, doch Kuscheln – Kuscheln muss noch sein,
ohne Kuscheln schläft Klara nicht ein.
Und im Traum fliegt die Fee mit den goldenen Schwingen,
den Kindern der Welt schöne Träume zu bringen,
und Pizza mit Käse und Frieden im Land –
und Eltern, mit denen man kuscheln kann …

Der Grusel (2015, aus „Josefine Dampfmaschine“)

Wenns nachts im Zimmer knarrt und knackt,
wenn dich das große Grauen packt,
wenn schräge Schatten dich erschrecken,
dann kriecht der Grusel aus den Ecken.
Wenn der Gespensterchor erwacht
und schreckliche Geräusche macht,
wenn ein Gewitter blitzt und knallt,
dann kriecht der Grusel aus dem Wald.
Und wenn du Blut und Wasser schwitzt,
weil er schon unterm Bette sitzt,
und immer größer werden will,
so riesig wie ein Krokodil:
Dann schnapp dir deine Kissen
und auch dein Kuscheltier,
und tapse auf nackten Füßen,
in Mama und Papas Revier.
In ihrem Bett, da kuschel dich ein,
dann wird der Grusel klitzeklein,
und passt, da kannst du sicher sein,
in deinen kleinsten Finger rein.
Wir machen uns eine Gemütlichkeit (2015, aus „Josefine Dampfmaschine“)

Wir machen uns eine Gemütlichkeit,
der Sturm heult draußen ums Haus,
der Papa liest vor und Sophie trinkt Kakao,
kein Mensch will bei dem Wetter raus.
Wir machen uns eine Gemütlichkeit
im Sessel aus Großvaters Zeit,
mit Pippi und Emil, Rapunzel und Hans
und Marie im vergoldeten Kleid.
Wir machen uns eine Gemütlichkeit,
und Sophie schläft manchmal dabei ein,
dann träumt sie, bei Alice im Wunderland
und all ihren Freunden zu sein.
Papa, du bist peinlich (2015, aus „Josefine Dampfmaschine“)

Papa, du bist peinlich
mit deiner komischen Frisur,
Papa, du bist peinlich,
und tu mal was für die Figur.
Meine Freunde sagen,
was ist das denn für ein Typ?
Papa, du bist peinlich –
doch ich hab dich lieb.
Papa, du bist peinlich,
und bitte keine Küsschen mehr,
Papa, das ist peinlich,
als ob ich noch ein Baby wär.
Meine Freunde sagen,
du machst peinliche Musik,
Papa, du bist peinlich –
doch ich hab dich lieb.
Papa, du bist peinlich,
wie du lachst, das ist so uncool.
Papa, du bist peinlich,
was du machst, das ist so old School.
Meine Freunde sagen,
sowieso und im Prinzip,
sind alle Eltern peinlich –
doch ich hab euch lieb.
Der Fährmann (2014)

Vierzig Jahre von Ufer zu Ufer,
vierzig Jahre den Fluss gequert,
vierzig Jahre, Tag für Tag,
vierzig Jahre Hin und Her.
Vierzig Jahre von Ost nach West,
und den gleichen Weg zurück,
Hin und Her und Her und Hin,
vierzig Jahre das gleiche Stück.
Vierzig Jahre Witze gemacht,
vierzig Jahre gelacht und gescherzt,
was für ein lustiger Fährmann das ist
keiner, keiner sah in sein Herz.
Und seit Jahren der vage Gedanke:
Kann ich mich davon befrein?
Ufer und Ufer
– Hin und Her,
Müsste da nicht noch was anderes sein?
An einem Tag im September,
einem gewöhnlichen Tag,
der letzte Gast war gefahren,
die Fähre am Ufer schon lag,
da fuhr er zur Mitte des Flusses,
und nahm das Beil in die Hand,
und kannte auf einmal die Lösung,
und hat sie plötzlich gekannt.
Und der Fährmann kappt das Seil,
mit dem scharfen Enterbeil.
Und der Fährmann lacht dabei
Und er schreit, jetzt bin ich frei!
Und er brüllt es in den Wind.
Und er treibt befreit dahin.
Nie mehr Hin und nie mehr Her,
hin zum uferlosen Meer,
hin zum uferlosen Meer,
hin zum uferlosen Meer …
Abenteuer (2013)

Will ich spazierngehn, willst du schlafen,
hab ich Hunger, hast du Durst,
brauch ich Liebe, willst du Fernsehn,
will ich Pudding – willst du Wurst.
Will ich Weißwein, willst du Rotwein
Will ich schwarz, dann willst du bunt,
will ich heute, willst du morgen,
will ich Kinder, willst du´n Hund.
Es wird mit dir nie langweilig,
immer hin und her.
jeden Tag ein Abenteuer –
deshalb lieb ich dich so sehr.
Sag ich Sommer, sagst du Winter,
sag ich Berge, dann sagst du See
sag ich Oper, sagst du Disko,
sag ich Ja, dann sagst du Nee.
Sag ich linksrum, sagst du rechtsrum,
sag ich Hü, dann sagst du Hott,
sag ich oben, sagst du unten,
sag ich Teufel, sagst Du Gott.
Es wird mit dir nie langweilig,
immer hin und her.
Jeden Tag ein Abenteuer –
deshalb lieb ich dich so sehr.
Hoffnungswalzer (2013, aus „Wunderwalzer)

Der Strauch hat alle Blätter verloren,
wie schön hat er sommers geblüht.
Jetzt ist es so plötzlich Herbst geworden,
nur grau und braun, wohin man auch sieht.
Doch das ist kein Grund zum Traurigsein,
schau nur richtig hin:
Die Knospen sind schon am Strauch,
die im nächsten Jahr blühn,
die Knospen sind schon am Strauch,
die im nächsten Jahr blühn.
Und jedes Jahr diese Einsamkeit,
wenn uns der Sommer verlässt.
Alles scheint trüb und die Nebel ziehn,
ein letztes Glas auf dem trostlosen Fest.
Doch das ist kein Grund zum Traurigsein,
schau nur richtig hin:
Die Knospen sind schon am Strauch,
die im nächsten Jahr blühn,
die Knospen sind schon am Strauch,
die im nächsten Jahr blühn.
Und glaubst du, es gibt keine Hoffnung mehr
und alles wäre verlorn.
Es fehlt dir an Mut und Gelassenheit,
nur Mauern ringsum und kein Blick nach vorn.
Auch das ist kein Grund zum Traurigsein,
schau nur richtig hin:
Die Knospen sind schon am Strauch,
die im nächsten Jahr blühn,
die Knospen sind schon am Strauch,
die im nächsten Jahr blühn.
Navigator (2011, aus „Broken heart auf Kaffeefahrt“)

Manchmal hab ich das Gefühl, dass die ganze Welt spinnt,
manchmal denk ich, dass wir hier in Gottes Irrenhaus sind
manchmal kommt es mir so vor, als wärn wir alle infiziert
mit nem Wahnsinnsvirus, das längst das Kommando führt.
Manchmal fliege ich so hoch, dass mich die Sonne streift,
manchmal stürze ich in Tiefen, die ein U-Boot nicht erreicht.
Manchmal steck ich mit dem Kopf im dicken Wolkenbrei,
manchmal renn ich lauter nicht vorhandne Mauern ein.
Und von irgendwo klingt plötzlich ein Geigenton
Und die aufgeregten Stimmen schweigen schon
Und wenn die Sonne untergeht in roter Glut
Lieg ich in deinen Armen und dann gehts mir gut.
Und ich lieg in deinen Armen und es geht mir gut
Du bist mein Anker und du bist mein Rettungsboot.
Du bist mein Navigator, der im Raumschiff Welt
Den Funkkontakt zur Basis Erde hält.
Manchmal meutert mein Gewissen, manchmal hält es ganz still,
manchmal macht mein fettes Ego mit mir was es will,
manchmal komm ich nicht mehr raus aus meinem eignen Labyrinth,
manchmal stehe ich im Spot und fühl mich nackt und blind.
Und von irgendwo klingt plötzlich ein Geigenton
Und ich merk, ein bisschen besser geht’s mir schon
Und wenn die Sonne untergeht in roter Glut
Lieg ich in deinen Armen und dann gehts mir gut.
Und ich lieg in deinen Armen und es geht mir gut
Du bist mein Anker und du bist mein Rettungsboot.
Du bist mein Navigator, der im Raumschiff Welt
Den Funkkontakt zur Basis Erde hält.
Zu Hause ist man da, wo man liebt (2010, aus „Wunderwalzer“)

Auch die längste Reise endet irgendwann,
und irgendwann – kommt jeder mal an,
manchmal scheint der Weg ziemlich weit,
aber jegliches hat seine Zeit.
Auch die längste Reise endet irgendwo,
und das Schiff braucht einen Hafen sowieso.
Der Wanderer findet Quartier,
der Verliebte fragt: Zu dir oder mir.
Irgendwo bleibt man doch,
irgendwie findet man immer,
n´ Dach überm Kopf,
ein möbliertes Zimmer
und´n warmen Ofen – den es da gibt,
doch zu Hause ist man da, wo man liebt.
Und das Schicksal schickt dich auf die Wanderschaft,
doch das Ziel der Reise – bleibt rätselhaft.
Eines Tages erwachst du wie von ungefähr,
und du fragst dich, wie komm ich hierher?
Wer will wissen, was mit ihm geschehen wird,
und was er in der Zauberkugel sehen wird?
Das Leben, wie mans lenken will,
bleibt ein Weg mit verborgenem Ziel.
Aber irgendwo bleibt man doch,
irgendwie findet man immer,
n´ Dach überm Kopf,
ein möbliertes Zimmer
und´n warmen Ofen – den es da gibt,
doch zu Hause ist man da, wo man liebt.
Broken heart auf Kaffeefahrt (2008)

„Broken heart“ heißt der Verein,
lauter schräge Schwaben,
alle über fünfundsechzig,
alle noch zu haben.
„Broken heart“ heißt der Verein
der gebrochnen Herzen,
aber Trübsal gibt es nicht,
Lachen, Singen, Scherzen.
Jedes Jahr zur gleichen Zeit,
wenn die Winzer mosten,
gibt es eine Kaffeefahrt,
heute in den Osten.
Saale
-Unstrut ist das Ziel,
wird wohl herbe Kost,
aber man muss ja was tun
für den Aufbau Ost.
„Broken heart“ auf Kaffeefahrt
ausgeflippte Rentner.
Sekt und Bier genug an Bord,
mindestens zehn Zentner.
Himbeergeister, Jägermeister,
kleine Fläschchen kreisen.
Ach, es ist doch eine Lust,
Im Verein zu reisen.
Der Verein hat einen Vorstand
Und der heißt Klaus
-Peter.
Peter war im früh’ren Leben
Staubsaugervertreter.
Kasse macht die dicke Hilde,
Hilde braucht zwei Sitze.
Rechnen kann sie leider nicht,
aber schweinsche Witze.
„Pinkelpause“, brüllt Klaus
-Peter,
„alles in die Büsche!
Links die Herren, rechts die Damen,
dass ich kein’ erwische,
der die falsche Seite nimmt!“
Alle Damen kreischen.
Und die Herren fragen bang,
wird das Bier auch reichen.
Weiter geht die wilde Fahrt
Durch den wilden Osten.
Kurz vor Meißen ruft die Hilde:
„Wo ist denn der Thorsten?“
Jäh verstummt der Höllenchor.
Irgendwo in Hessen,
wo die Pinkelpause war,
hab’n se ihn vergessen.
Doch zurück? Auf keinen Fall
Schwund gibt’s überall.
Schwarzbraun ist die Haselnuss,
Paule spielt Posaune,
Hilde das Akkordeon,
prächtig ist die Laune.
So ein Tag, so wunderschön,
und die Kräfte wachsen.
Mit dem Lied vom Polenkind
Fällt man ein in Sachsen.
Mittagessen, Weinverkosten,
bisschen geht noch rein.
Aber schmeckt nicht wie zu Hause,
also kauft man kein’n.
Rückfahrt stiller, denn der Ostwein
Liegt so schwer im Magen.
Nur die dicke Hilde singt noch,
die kann was vertragen.
„Broken heart“ auf Kaffeefahrt
nächstes Jahr dann wieder,
wieder mit viel Alkohol,
wieder diese Lieder.
Himbeergeister, Jägermeister,
alles ausgetrunken,
friedlich sind die müden Kriegen
in den Schlaf gesunken.
Weltende 2.1 (2004)

(Unter Verwendung des Gedichtes „Weltende“ von Jakob van Hoddis)
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
in allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Es wird gefeiert, dass es nur so kracht –
es ist zum Lachen, aber keiner lacht.
Und nicht nur Handwerker zerschellen dumpf,
auch Richter, Henker, Dichter, Denker scheitern.
Die Wunden schlecht verheilt, die Narben eitern.
Vom vielen Putzen sind die Zähne stumpf.
Die Masochisten greifen nach der Macht –
es ist zum Lachen, aber keiner lacht.
Raketen explodieren auf dem Mars.
Fanatiker verbrennen Fahnentücher.
Die Legastheniker verfassen Bücher.
Auf allen Sendern singen Superstars.
Gefakete Bilder lügen in die Nacht –
es ist zum Lachen, aber keiner lacht.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
an Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
Und comedy die heilig letzte Schlacht –
es ist zum Lachen, aber keiner lacht.
Die Ratten sind aus ihrem Loch gekrochen,
die Dumpfen, die nach einem Führer gieren.
Die dicksten Dämme – weiß man – längst gebrochen.
Der Schnupfen ist wohl nicht mehr zu kurieren.

Das Fest (1997)

Haben alles ausgeleert,
bis zum letzten Rest,
keiner keinem zugehört,
Mann, war das ein Fest.
Lieder haben wir gesungen,
schaurig schön und schief.
Traurig haben wir getrunken,
als das Ende rief.
Ach, wir waren viel zu laut,
zu viel Blasmusik.
Kindisch haben wir gekaut
an der Politik.
Hemmungslos herumgehampelt,
oft bis früh um neun.
Manches haben wir zertrampelt,
was wir heut bereu’n.
Längst hat uns der Alltag wieder,
die Trompeten ruh’n.
Wollen wieder, brav und bieder,
unsre Arbeit tun.
Sehn wir uns nach Jahren wieder,
was durchaus geschehen kann,
singen wir die Heldenlieder
schau’n die alten Fotos an.
Jeder brachte seine Lust,
seine Wärme ein,
jeder konnte seinen Frust
von der Seele schrei’n.
Jeder sprach mit sehr viel Phon,
jeder über sich.
Es war wie in Babylon,
wie am runden Tisch. .
Spiele haben wir gespielt,
ja, wie warn gut drauf,
dass das Schiff nach oben kielt,
fiel nicht weiter auf.
Was war das für ein Gewühle,
Mittel heiligt Zweck,
zogen gegenseitig Stühle
unterm Arsch uns weg.
Jeder konnte jeden lieben,
wie es grade kam.
Zahme, die wie wild es trieben,
Wilde eher zahm.
Es gab allerhand zu lachen,
kurz vor Ultimo.
Gute Ehen gingen krachen,
andre sowieso.
Lieder haben wir gesungen,
schaurig schön und schief.
Traurig haben wir getrunken,
als das Ende rief.
Haben alles durchprobiert,
bis zum letzten Kuss.
Keiner keinem zugehört,
schaurig war der Schluss.

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